Uwe Matysik
Vorsitzender der AfD-Fraktion im Rat der Stadt Velbert
Velbert, 14. Juli 2026
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lukrafka, sehr geehrter Herr Kämmerer Peitz, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger,
heute beraten wir den Haushaltsplan der Stadt Velbert für das Jahr 2026. Ein Haushalt ist weit mehr als eine bloße Aufstellung von Einnahmen und Ausgaben. Er zeigt, welche politischen Prioritäten gesetzt werden. Er zeigt, wofür eine Stadt Geld ausgibt und welche Lasten sie in die Zukunft verschiebt. Und genau deshalb ist dieser Haushalt für uns Anlass zu großer Sorge. Die geplanten Einnahmen betragen rund 318 Millionen Euro. Denen stehen geplante Ausgaben von rund 355,5 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein Fehlbetrag von etwa 37,5 Millionen Euro. Den sogenannten globalen Minderaufwand lassen wir an dieser Stelle bewusst außer Betracht. Er verbessert zwar rechnerisch das Ergebnis, löst aber keines der tatsächlichen Probleme unserer Stadt.
Die Realität ist eindeutig: Die Stadt Velbert gibt dauerhaft deutlich mehr Geld aus, als sie einnimmt. 37,5 Millionen Euro Defizit – das ist kein Haushalt, das ist ein Offenbarungseid.
Und deshalb darf die Frage heute nicht nur lauten: Stimmen wir diesem Haushalt zu oder nicht?
Die entscheidende Frage lautet: Wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Die schwierige finanzielle Lage Velberts ist nicht innerhalb eines Jahres entstanden. Sie ist das Ergebnis von politischen Fehlentscheidungen, die über viele Jahre hinweg getroffen wurden. Natürlich gibt es viele äußere Faktoren, die nicht allein in der Verantwortung der Stadt liegen: steigende Sozialausgaben, höhere Tarifabschlüsse, Inflation, gestiegene Energiepreise und erheblich höhere Baukosten.
Gerade deshalb müssen wir prüfen, welche Ausgaben notwendig sind, welche Aufgaben tatsächlich zur kommunalen Daseinsvorsorge gehören und auf welche Projekte wir angesichts dieser Haushaltslage verzichten müssen. Denn jeder Euro, den die Stadt ausgibt, ist Steuergeld. Es ist das Geld der Bürger, der Arbeitnehmer, der Familien, der Unternehmen und Gewerbetreibenden.
Klimaneutralität braucht Ehrlichkeit bei den Kosten
Ein besonders deutliches Beispiel finden wir auf Seite 19 des Haushaltsplanentwurfs. Dort wird der „konsequente Weg in Richtung Klimaneutralität“ beschrieben. Über Ziele kann und muss Politik diskutieren. Aber über Ziele zu reden, ohne die Kosten offen zu benennen, ist keine verantwortungsvolle Politik.
Der Rat hat sich auf den Weg zur Klimaneutralität begeben, ohne die damit verbundenen finanziellen Folgen auch nur annähernd konkret zu beziffern. Erst auf unsere Nachfrage hin wurde im Verlauf der Beratungen eine Größenordnung genannt: mehrere hundert Millionen Euro.
Meine Damen und Herren, mehrere hundert Millionen Euro!
In einer Stadt, die alleine in diesem Jahr mit einem Defizit von 37,5 Millionen Euro plant. In einer Stadt, deren Gesamtverschuldung als Konzern bereits im vergangenen Jahr die Marke von rund 1,1 Milliarden Euro überschritten hat.
Das ist eine politische Entscheidung mit Folgen für Jahrzehnte. Alleine die Zinslast mit einem angenommen Zinssatz von 3% beträgt im Jahr ca. 33 Millionen Euro. Und was könnten wir mit diesen 33 Millionen Euro alles machen?
Deutschlandticket, Kindergartengebühren, Schulen renovieren, Straßen bauen, alles kein Problem.
Die AfD-Fraktion steht selbstverständlich zum Umweltschutz. Saubere Luft, sauberes Wasser, gesunde Wälder, ein gepflegtes Stadtbild und der Schutz unserer Heimat sind wichtige Aufgaben.
Für uns gilt: Umweltschutz ist Heimatschutz.
Aber wir stehen nicht für eine Politik, die immer neue Millioneninvestitionen beschließt, ohne deren Nutzen, Kosten und langfristige Folgen transparent darzulegen. Die Frage muss erlaubt sein:
Welchen messbaren Beitrag leistet ein klimaneutrales Velbert tatsächlich für das Weltklima?
Der Einfluss von Velbert auf die globale Entwicklung ist nicht messbar, sie ist rechnerisch nicht vorhanden. Das ist keine Provokation, sondern eine nüchterne Feststellung. Messbar sind dagegen die Kosten. Messbar sind höhere Baukosten, neue Stellen, externe Gutachten und immer neue Förderprogramme. Und messbar sind die Schulden, die dadurch entstehen.
Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur Klimaschutz. Nachhaltigkeit bedeutet auch, den kommenden Generationen keine finanziellen Lasten aufzubürden, die sie nicht mehr tragen können. Denn auch Schulden werden vererbt.
Wenn wir heute ambitionierte Ziele beschließen, aber gleichzeitig immer größere Haushaltslöcher hinterlassen, dann handeln wir nicht generationengerecht. Dann verschieben wir unsere Probleme auf die Kinder und Enkelkinder dieser Stadt.
Die Frage lautet daher nicht, ob wir die Umwelt schützen wollen. Natürlich wollen wir das.
Die Frage lautet: Wie tun wir es verantwortungsvoll, wirtschaftlich und mit Augenmaß?
Ein Beispiel für Fehlentwicklungen ist das Projekt Schloss Hardenberg. Für die ursprünglich vorgesehene Heizungsanlage standen zunächst Kosten von rund 200.000 Euro im Raum. Im weiteren Verlauf wurde das Konzept einfach verändert. Statt einer Gasbrennwerttherme wurde eine Kombination aus Geothermie und Pelletheizung vorgegeben.
Die veranschlagten Kosten stiegen dadurch von 200.000,00€ auf rund 2 Millionen €.
Meine Damen und Herren, wir reden hier nicht über eine normale Kostensteigerung. Wir reden über eine Verzehnfachung.
Selbstverständlich können neue Erkenntnisse Anpassungen erforderlich machen. Niemand bestreitet das. Aber wenn sich die Kosten eines Projekts nahezu verzehnfachen, dann erwarten wir Transparenz. Dann erwarten wir eine nachvollziehbare Darstellung der Alternativen. Dann erwarten wir Antworten auf die Frage, warum dieser Weg gewählt wurde und wie die Folgekosten dauerhaft finanziert werden sollen.
Zusätzlich soll eine Klimamanagerin eingestellt werden, alleine für das Projekt Schloss Hardenberg. Auch diese Stelle verursacht nicht nur einmalige, sondern dauerhaft wiederkehrende Kosten.
Und genau hier liegt das Problem: Es geht nicht nur um einzelne Projekte. Es geht um eine politische Richtung, in der sich immer mehr zusätzliche Aufgaben, Standards und Personalstellen summieren.
Bei öffentlichen Neubauten wird diese Entwicklung ebenfalls sichtbar. Beim Schulneubau am Waldschlösschen wurden Anforderungen an Klimaneutralität nach Scope 1 und 2 des Greenhouse Gas Protocol von den Bauträgern gefordert. Deutschland hat bereits jetzt die höchsten gesetzliche Anforderungen an Energieeffizienz und Klimaschutz im Bauwesen. Diese Vorgaben erhöhen Baukosten, verlängern Planungsprozesse und erschweren die Umsetzung dringend notwendiger Projekte. Wenn Velbert darüber hinaus eigene zusätzliche überflüssige Standards setzt, dann müssen wir offen sagen:
Das kostet Geld. Viel Geld.
Und dieses Geld fehlt dann an anderer Stelle: bei der Sanierung bestehender Schulen, bei Straßen, bei Spielplätzen, bei der Ausstattung des Kommunalen Ordnungsdienstes oder bei sozialen Angeboten, die den Menschen unmittelbar zugutekommen.
Die AfD-Fraktion sagt deshalb klar: Umweltschutz ja – Klimakleberwahn nein.
Wir brauchen keine Politik, die sich mit Symbolen schmückt und die Rechnung später den Bürgern präsentiert. Wir brauchen eine Politik, die abwägt, rechnet und verantwortlich mit den Steuergeldern der Bürger umgeht.
Doppelstrukturen und Verwaltungskosten überprüfen
Auch innerhalb der Verwaltung sehen wir erhebliche Einsparmöglichkeiten. Die städtische Klimaschutzabteilung verursacht immense Personal- und Sachkosten. Es werden Konzepte erstellt, Veranstaltungen organisiert, Beratungen angeboten und Förderprogramme aufgelegt.
Dabei werden wesentliche Aufgaben im Bereich Klimaschutz, Hitzevorsorge und Förderberatung längst auch auf Ebene des Kreises Mettmann wahrgenommen.
Die Frage ist deshalb berechtigt: Braucht Velbert tatsächlich jede dieser Strukturen zusätzlich?
Es kann nicht sinnvoll sein, wenn Stadt und Kreis ähnliche Konzepte erarbeiten, ähnliche Beratungsangebote machen und parallel Förderprogramme auflegen.
Doppelstrukturen kosten Geld, binden Personal und schaffen Bürokratie.
Ein Beispiel waren die Förderprogramme für E-Lastenfahrräder. Velbert hat ein eigenes Förderprogramm in Höhe von 10.000,00 € aufgelegt. Der Kreis Mettmann hatte nahezu zeitgleich ein ähnliches Programm in Höhe von 500.000,00€ Fördervolumen.
Wenn der Kreis diese Aufgabe bereits erfüllt, dann sollte die Stadt Velbert nicht zwangsläufig eine zweite Struktur daneben aufbauen.
Wir fordern deshalb eine kritische Prüfung der gesamten Klimaschutzabteilung und ihrer Aufgaben. Wo Zuständigkeiten auf Kreisebene bereits bestehen, sollten Doppelungen abgebaut werden. Dadurch könnten nach unserer Einschätzung fünf bis sechs Planstellen eingespart werden. Es wäre ein Schritt zu einer schlankeren, konzentrierteren und effizienteren Verwaltung. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel muss jede freiwillige Aufgabe auf den Prüfstand.
Zum Stellenplan
Ein weiterer Stellenzuwachs um 26 Vollzeitstellen von 1.004 auf 1.030 ist für uns völlig inakzeptabel. Wir fordern eine strikte Deckelung, keine neuen Planstellen. Stattdessen „Umwidmung“ von Stellen im Rahmen des Planstellenvolumens, sprich Streichung/Stellenabbau in anderen Bereichen – zum Beispiel zugunsten der Kitas.
Optimismus ersetzt keine solide Haushaltsplanung
Mit Sorge betrachten wir auch die mittelfristige Finanzplanung. Für die Jahre 2026 bis 2029 werden weiterhin erhebliche Jahresfehlbeträge erwartet – im Bereich von 20 bis 30 Millionen Euro. Und das, obwohl der globale Minderaufwand von rund sieben Millionen Euro jährlich bereits eingerechnet wird. Dabei handelt es sich um Prognosen. Und Prognosen sind nur so gut wie ihre Annahmen.
Die Erfahrungen des vergangenen Jahres sollten uns vorsichtig machen. Bereits die Quartalsberichte des Haushaltsjahres 2025 zeigten, dass sich die finanzielle Lage im Jahresverlauf deutlich schlechter entwickelte als zunächst erwartet. Im zweiten Quartal fehlten bereits rund vier Millionen Euro, im dritten Quartal waren es etwa zehn Millionen Euro.
Optimismus ist kein Haushaltskonzept.
Wir wünschen uns selbstverständlich, dass sich die Wirtschaft positiv entwickelt und die Gewerbesteuereinnahmen steigen. Aber eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik darf nicht auf Hoffnung beruhen.
Im Haushaltsentwurf wird im Zusammenhang mit der Gewerbesteuer von einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent ausgegangen. Die aktuellen Prognosen liegen jedoch deutlich niedriger – bei etwa 0,3 bis 1,0 Prozent, mit abnehmender Tendenz.
Das zeigt: Die Annahmen sind sehr ambitioniert.
Velbert ist auf starke Unternehmen angewiesen. Auf einen leistungsfähigen Mittelstand. Auf Handwerksbetriebe, Industrie, Handel und Dienstleister. Diese Unternehmen sichern Arbeitsplätze und finanzieren über die Gewerbesteuer einen erheblichen Teil unseres kommunalen Haushalts.
Deshalb braucht Velbert eine wirtschaftsfreundliche Verwaltung. Wir brauchen schnellere Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und ein Umfeld, in dem Unternehmen gern investieren.
Was wir nicht brauchen, sind zusätzliche Vorgaben, komplizierte Gestaltungshandbücher und immer neue Kosten, die am Ende Investitionen verhindern oder Arbeitsplätze gefährden.
Bund und Land dürfen die Kommunen nicht überfordern
Sehr geehrter Herr Peitz,
Sie haben bei der Haushaltseinbringung zu Recht auf die steigenden Belastungen der Kommunen hingewiesen: auf höhere Kosten in der Jugendhilfe, auf den Ausbau des offenen Ganztags und auf die Folgen des Kinderbildungsgesetzes, des KiBiz. Hier stimmen wir Ihnen ausdrücklich zu. Regelmäßig werden von der Bundesregierung neue Leistungen beschlossen, während die finanzielle Verantwortung bei den Städten und Gemeinden verbleibt.
Die Regierungsparteien beschließen – die Kommunen zahlen.
Das Resultat dieser Politik ist fatal. Eine nie dagewesene Verschuldung fast aller Kommunen.
Wir verwalten nur noch Mangel und Schulden. Velbert ist dafür ein deutliches Beispiel.
Wir erwarten deshalb von den politischen Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene, dass sie die Kommunen endlich finanziell entlasten. Das Ergebnis einer unzureichenden Finanzmittelausstattung trotz immer neuer Aufgaben sehen wir hier in Velbert. Eine nicht mehr zu verantwortende Überschuldung. Velbert kann seine Aufgaben zur Daseinsvorsorge nicht mehr leisten.
Der Haushalt in Velbert steht nicht vor einem Kollaps, nein, er ist kollabiert.
Kosten der Asyl- und Flüchtlingspolitik transparent darstellen
Zu einer ehrlichen Haushaltsdebatte gehört auch, alle wesentlichen Ausgabenbereiche offen zu benennen. Dazu zählen aus unserer Sicht selbstverständlich auch die Kosten für Unterbringung, Betreuung und Versorgung von Flüchtlingen.
Allein die Unterbringungskosten beliefen sich im Jahr 2025 auf rund 32 Millionen Euro. Hinzu kamen weitere Mietkosten in Höhe von etwa vier Millionen Euro für ukrainische Flüchtlinge, die erst nachträglich ermittelt wurden. Und damit sind wir noch nicht am Ende der Rechnung. Zusätzlich kommen Personalkosten für etwa 30 Planstellen, laufende Leistungen sowie weitere Sachkosten dazu. Nach unserer Einschätzung ergeben sich daraus jährliche Belastungen von grob gerechnet rund 50 Millionen Euro.
Die Zahlen müssen transparent auf den Tisch.
Es geht nicht darum, Menschen gegeneinander auszuspielen. Es geht darum, eine ehrliche und vollständige Darstellung der finanziellen Realität zu verlangen.
Wenn die Stadt für Unterkünfte, Betreuung und Verwaltung erhebliche Mittel aufwenden muss, dann darf dies in einer Haushaltsrede nicht nur am Rand erwähnt oder ausgeklammert werden.
Wir fordern daher, sämtliche Kosten in diesem Bereich künftig vollständig, nachvollziehbar in den Haushaltsplanentwürfen darzustellen.
Zugleich müssen die bestehenden Mietverträge für Flüchtlingsunterkünfte überprüft werden. Wo Verträge auslaufen oder rechtlich kündbar sind, muss die Verwaltung prüfen, ob eine Fortsetzung wirtschaftlich vertretbar ist. Es darf keine Denkverbote geben.
Wer immer neue Unterbringungskapazitäten fordert, muss auch bereit sein, über die Kosten zu sprechen. Und wer Solidarität einfordert, sollte auch die Bereitschaft zeigen, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Weitere Einsparmöglichkeiten sehen wir in der Schließung des Südosteuropa-Büros. Nach unseren Informationen entstehen dort jährliche Kosten von rund 280.000 Euro. Bei einem Haushaltsdefizit von 37,5 Millionen Euro kann es keine Bereiche geben, die grundsätzlich von einer kritischen Prüfung ausgenommen werden.
Und nochmal zur Transparenz.
Letzen Dienstag hat die AfD-Fraktion eine Antrag zur Einführung einer Schuldenuhr (Vorlage 293/2026) eingebracht. Der Antrag wurde abgelehnt, mit den Stimmen aller hier vertretenden Fraktionen.
Haben Sie Angst vor unangenehmen Fragen Ihrer Wählerschaft?
Sie tragen eine große Verantwortung für diesen katastrophalen Schuldenstand, meine Damen und Herren im Stadtrat. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihre Politik. Das sind Sie Ihren Wählern schuldig. Erklären Sie Ihren Wählern auch, warum unserem Antrag zur Einrichtung von Praktikantenstellen (Vorlage 205/2025) zur Integration von Asylbewerbern nicht zugestimmt werden konnte?
Migration ja, Integration nein?
Haushaltssicherung braucht Konsequenz
Das freiwillige Haushaltssicherungskonzept ist ein erster Schritt und auch eine gesetzliche Vorgabe. Das erkennen wir an. Aber es wird nicht reichen.
Solange die Ausgaben dauerhaft schneller steigen als die Einnahmen, wird sich die finanzielle Lage Velberts nicht verbessern, nein, sie wird sich dramatisch verschlechtern.
Wir brauchen einen konsequenten Konsolidierungskurs. Dazu gehören eine klare Prioritätensetzung, die regelmäßige Überprüfung aller freiwilligen Leistungen, ein Stopp nicht zwingend notwendiger Projekte und der Mut, Vorhaben zeitlich zu verschieben oder ganz aufzugeben.
Die Hinweise der Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen müssen endlich ernst genommen werden. Bereits 2021 wurde Velbert im Vergleich zu zahlreichen geprüften Kommunen mit die höchste Verschuldung und mit das geringste Eigenkapital attestiert. Das ist ein Warnsignal, das wir nicht länger ignorieren dürfen.
Hohe Schulden schränken die Handlungsfähigkeit einer Stadt ein. Sie führen zu steigenden Zinslasten. Sie erhöhen den Druck auf Gewerbesteuer und Grundsteuer B. Sie belasten Unternehmen, Eigentümer, Mieter und Familien.
Eine Stadt mit dauerhaft hoher Verschuldung wird nicht attraktiver. Im Gegenteil: Sie verliert Schritt für Schritt ihre Gestaltungsmöglichkeiten.
Bürgernähe bedeutet Vertrauen statt Bevormundung
Eine lebenswerte Stadt besteht nicht nur aus Zahlenkolonnen, Haushaltsstellen und Förderprogrammen. Sie lebt davon, wie die Verwaltung mit ihren Bürgerinnen und Bürgern umgeht.
Bürgernähe bedeutet für uns: den Menschen Vertrauen entgegenzubringen, sie zu beraten, sie zu unterstützen und ihnen möglichst viel Eigenverantwortung zu lassen. Natürlich braucht eine Stadt Satzungen und Regeln. Niemand fordert einen rechtsfreien Raum. Aber Regeln müssen verhältnismäßig bleiben.
Wenn Grundstückseigentümern in Gestaltungshandbüchern bis ins Detail vorgeschrieben wird, welche Pflanzen sie in Ihrem Garten setzen dürfen, welche Materialien sie für Mauern verwenden oder welche Farben für Werbeschilder zulässig sind, dann stellt sich die Frage: Ist das noch notwendige Ordnung – oder längst überzogene Bevormundung?
Ein Bürger, der ein Grundstück erwirbt, soll seinen Garten gestalten können, ohne dass die Stadt ihm jede Apfelsorte und jedes Kraut vorschreibt.
Ein Gewerbetreibender in Neviges soll für sein Werbeschild nachvollziehbare Regeln einhalten. Aber er sollte nicht durch kleinste Detailvorgaben bei Farben und Gestaltung in seiner unternehmerischen Freiheit eingeschränkt werden.
Unser Verständnis von Bürgernähe ist ein anderes.
Wir wollen eine Verwaltung, die Belange der Bürger ermöglicht, statt unnötig zu erschweren. Eine Verwaltung, die unterstützt, statt immer neue Hürden aufzubauen.
Weniger Bürokratie ist kein Selbstzweck. Weniger Bürokratie bedeutet mehr Freiheit, schnellere Entscheidungen und mehr Vertrauen zwischen Bürgern und Verwaltung.
Sicherheit ist eine Kernaufgabe
Meine Damen und Herren, neben soliden Finanzen erwarten die Menschen zu Recht, dass sie sich in ihrer Stadt sicher fühlen können. Viele Bürgerinnen und Bürger schildern uns an unseren Infoständen ihre Sorgen. Eltern sorgen sich um den Schulweg ihrer Kinder. Ältere Menschen meiden bestimmte Orte in den Abendstunden. Familien sorgen sich, dass ihre Angehörigen sicher von der Schule, von der Arbeit oder aus der Innenstadt nach Hause kommen. Dies ist ein beschämender und inakzeptabler Zustand.
Ob sich jede dieser Sorgen vollständig in Kriminalitätsstatistiken abbildet, ist nicht der entscheidende Punkt. Auch das subjektive Sicherheitsgefühl verdient politische Aufmerksamkeit.
Deshalb unterstützen wir einen leistungsfähigen Kommunalen Ordnungsdienst und eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei. Bekannte Angsträume dürfen nicht hingenommen werden. Sie müssen konsequent überprüft und mit allen rechtlichen Mitteln entschärft werden.
Sicherheit ist keine freiwillige Leistung. Sicherheit gehört zu den Kernaufgaben einer Stadt.
Wenn wir an freiwilligen Leistungen sparen müssen, dann darf dies nicht zulasten von Sicherheit, Ordnung und einem funktionierenden öffentlichen Raum gehen.
Fazit
Liebe Bürgerinnen und Bürger,
Velbert steht, unschwer zu erkennen, vor schwierigen Jahren. Die Haushaltssituation ist desolat. Viele freiwillige Leistungen werden reduziert, neu bewertet oder möglicherweise ganz entfallen müssen. Das ist keine angenehme Botschaft, aber es ist die Realität.
Wir können nicht dauerhaft mehr ausgeben, als wir einnehmen. Wir können nicht bei jeder Herausforderung neue Stellen schaffen, neue Programme auflegen und neue Projekte beschließen, ohne die Finanzierung zu klären.
Wir brauchen Ehrlichkeit.
Wir brauchen finanzielle Vernunft.
Wir brauchen den Mut, Prioritäten zu setzen.
Ein Großteil der heutigen Schuldenlast von über 1,1 Milliarden Euro in Velbert ist das Ergebnis politischer Entscheidungen von Bund, Land und Stadt der vergangenen Jahre. Diese Entwicklung kann nicht einfach fortgesetzt werden.
Der vorliegende Haushaltsentwurf bietet aus unserer Sicht keine ausreichende Antwort auf die strukturellen Finanzprobleme unserer Stadt. Er enthält zu viele optimistische Annahmen, zu wenig konsequente Einsparungen und keine überzeugende Strategie, den Schuldenanstieg dauerhaft zu begrenzen.
Aus diesen Gründen wird die AfD-Stadtratsfraktion dem Haushaltsplan 2026 nicht zustimmen.
Wir lehnen diesen Haushalt ab.
Zum Schluss möchte ich ausdrücklich betonen: Unsere Kritik richtet sich nicht gegen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung.
Gerade Herr Peitz und sein Team haben diesen Haushaltsentwurf unter schwierigen Rahmenbedingungen mit fachlicher Kompetenz und großem Einsatz erarbeitet. Dafür sprechen wir unseren Respekt und unseren Dank aus.
Unser Ziel bleibt ein Velbert,das finanziell wieder handlungsfähig wird, das seine vorhandenen Unternehmen stärkt, das Familien unterstützt, das Bürger nicht bevormundet, das Sicherheit gewährleistet und das kommenden Generationen nicht immer neue Schulden hinterlässt.
Dafür werden wir uns auch weiterhin mit Nachdruck einsetzen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Velbert, den 14.07.2026
Im Namen der AfD-Fraktion im Rat der Stadt Velbert
Uwe Matysik, Fraktionsvorsitzender
